So packst du richtig für deine Skitour

„Beim Tiefschneefahren kann einem garnicht langweilig werden, denn es ist ein besonderes Geschenk aus dem Zusammenspiel von Himmel und Erde. Es gibt nur ganz bestimmte Orte, an denen zu ganz bestimmten Zeiten genügend davon herunterkommt; dieser Schnee hält sich nur eine kurze Zeit, ehe Sonne und Wind ihn wieder verschwinden lassen.“

Dolores LaChapelle

Skitouren gehen erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit und es fällt nicht schwer zu verstehen warum! Es verkörpert die Idee des Erkundens und alpinem Reisen. Es kann zwar sehr gefährlich sein, aber mit der richtigen Ausrüstung, Einstellung und viel Übung kann es ein wundervoller Sport für das ganze Leben sein. Was ich am Skitouren gehen so mag, ist die Einfachheit der Bewegung und die Möglichkeit Berge aus eigener Kraft zu erklimmen.

Der Anfang kann durchaus überfordernd sein, aber wenn man sich erstmal mit der Sicherheitsausrüstung vertraut gemacht hat und eine Routine entwickelt, fühlt man sich gleich viel sicherer. Das Wichtigste ist eine gute Checkliste und ein fester Ablauf, um sicher zu gehen, dass man nichts Essentielles vergessen hat. Ich stelle mir gerne vor ich wäre eine Pilotin, die immer wieder die Sicherheitsliste abhakt. Als Pilotin kann ein Fehler fatal sein und diese Fehler können auch andere in Gefahr bringen. Daher braucht es ständige Übung und permanente Wachsamkeit.

Hier ist ein Beispiel: Ich gehe nie ohne mein LVS-Gerät, Sonde und Schaufel auf Skitour. Zu Beginn der Tour mache ich immer einen LVS-Check, um sicher zu gehen, dass mein Gerät wie auch das meines Partners angeschaltet sind und funktionieren. Diesen Sicherheitscheck vergesse ich nie.

Der LVS-Check zu Beginn ist extrem wichtig, denn er macht jedem klar, dass Sicherheit an erster Stelle steht. Mit der Sicherheitsausrüstung muss man allerdings auch umzugehen wissen. Bevor es also losgeht, solltest du dich unbedingt mit den Gefahren in Lawinengebieten auseinandersetzen. Am besten bucht man einfach mal einen Kurs, einen eigenen Guide oder findet einen guten Mentor. Die Serie „Know before you go“ ist ebenfalls ein prima Einstieg.

"Es ist wichtig sich Partner auszusuchen, die das gleiche Verständnis von Sicherheit haben, die lieber doppelt nachsehen und mögliche Bedenken auch laut äußern."

Ein Fehler, den ich zu Beginn meiner Karriere machte, war, nicht in leichte Ausrüstung zu investieren. Wenn du eine Tour im freien Gelände und nicht nur neben den Pisten des Skigebiets planst, lege ich dir eine leichte Ausrüstung ans Herz. Im freien Gelände verbringst du den Großteil der Zeit mit dem Aufstieg. Mit leichtem Equipment hast du deutlich mehr Körner für die Abfahrt übrig und vielleicht ja sogar Lust auf eine zweite Runde.

Man sollte sich auch immer bewusst sein, dass man im Backcountry keine Pistenrettung rufen kann. Es gibt dort keinen Rettungsschlitten am Sessellift, der einen sicher ins Tal bringen kann und bei den rasant wechselnden Wetterverhältnissen kann ein Helikopter oft nicht starten. Aus diesem Grund ist es extrem wichtig, die eigene Geschwindigkeit, Energie und Risikobereitschaft anzupassen. Überlege also lieber zweimal, ob es dieser eine große Sprung Wert ist. Eine auf die jeweilige Situation angepasste Einstellung und Erwartungshaltung ist für eine lange Skitourenkarriere unerlässlich.

Die Anfangsinvestitionen sind relativ hoch und hochwertige Ausrüstung ist nun mal teuer. Spätestens wenn dir auffällt, dass lange Liftschlangen kein Thema mehr sind, hat sich die Investition auf jeden Fall gelohnt. Anstatt Lifttickets und Saisonpässe zu kaufen, steckst du dein Geld in die Sicherheit und deine eigene Ausrüstung.

Das Schichtprinzip bei der Bekleidung für das Tourengehen ist ein Thema für sich. Zu warm angezogen und du schwitzt während des Aufstiegs. Zu wenig angezogen und du frierst. Ich habe gerne mehrere Schichten dabei und starte immer mit einem Baselayer. So kann ich je nach Temperatur und Wetterlage eine Schicht mehr oder weniger anziehen. Bevor du losgehst, solltest du auch immer unbedingt die Wettervorhersage und die Lawinensituation checken, damit du weißt, was dich erwartet.

"Das Wichtigste aus meiner Sicht bei der Einschätzung der Lawinenlage ist das Zuhören und Kommunizieren. "

AKRONYME WICHTIG ZU ERINNERN

Meine beiden Grundregeln kann man sich leicht merken. ALPTRUTH ist eine Abkürzung für die wichtigsten Hinweise, auf die man beim Tourengehen achten sollte. 92% aller Lawinenunfälle passieren, wenn drei oder mehr dieser Dinge vorherrschen.Die zweite Abkürzung lautet FACETS. Während ALPTRUTH auf die Schneeverhältnisse abzielt, stellt FACETS die Faktoren heraus, die der Mensch zur Vermeidung von Lawinenunglücken beeinflussen kann. Wenn ich in über 10 Jahren Skitouren eines gelernt habe, dann dass Schnee und Lawinen keinen Unterschied zwischen Erfahrenen und Unerfahrenen machen. Häufig machen selbst erfahrene Gruppen einen Fehler, die mit den folgenden Faktoren zusammenhängen.

A Avalanches: Lawinen in der näheren Umgebung innerhalb der letzten 48 Stunden (Beobachte von Beginn an deine Umgebung und halte Ausschau nach Anzeichen für mögliche Lawinen.).
L Loading: Niederschläge in Form von Schnee, Wind oder Regen innerhalb der letzten 48 Stunden.
P Paths: Befindest du dich in Mitten einer bereits abgegangenen Lawine? Achte auf entsprechende Hinweise.
T Terrain traps: Gefahren im Gelände z.B. in Form von Felsspalten, Klippen oder Wald.
R Rating: Wenn die aktuelle Lawinenstufe erheblich oder gar groß ist, bedeutet das automatisch eine rote Flagge.
U Unstable snow: Achte auf zusammenbrechende, knackende oder dumpfe Geräusche.
TH Thaw instability: Warme Perioden lassen die Schneeoberfläche gefährlich anschmelzen.

F Familiarity. Je besser wir eine Gegend kennen, desto größer die Gefahr, dass wir sie unterschätzen, gerade mit zunehmender Erfahrung.
A Acceptance – Willst du gerade jemanden nur beeindrucken oder versuchst du von der Gruppe akzeptiert werden?
C Commitment. Wie sehr willst du heute dein Tagesziel erreichen? Vergiss nicht, dass die Berge auch morgen noch da sind und du jederzeit zurückkommen kannst. Vielleicht bei etwas besseren Bedingungen. Du kannst das auf jeden Fall nicht, wenn du tot bist. Es ist immer ratsam einen Plan B, C, D, E bis hin zu X zu haben.
E Expert halo. Gibt es jemanden in deiner Gruppe, der mehr Erfahrung mitbringt und du hast dennoch Zweifel an dessen Entscheidungen? Trau dich, deine Fragen laut zu äußern, auch wenn du dir unsicher oder neu dabei bist.
T Tracks or Scarcity – Du willst als erstes die Spuren in den Schnee ziehen? Hast du die Sorge, es ist nicht genug für alle da? Hektisches Verhalten nur um der erste zu sein, birgt ein hohes Risiko für schlechte Entscheidungen.
S Social Facilitation or Social Proof – Es wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass erfahrene Tourengeher, die auf andere Gleichgesinnte treffen, bereit sind, ein höheres Risiko einzugehen. Wenn jemand irgendwo hinunterfährt, glauben wir leider oft, dass es dadurch sicher ist. Die Spuren anderer bedeuten aber definitiv nicht, dass es dort sicher ist.
A Avalanches: Lawinen in der näheren Umgebung innerhalb der letzten 48 Stunden (Beobachte von Beginn an deine Umgebung und halte Ausschau nach Anzeichen für mögliche Lawinen.).
L Loading: Niederschläge in Form von Schnee, Wind oder Regen innerhalb der letzten 48 Stunden.
P Paths: Befindest du dich in Mitten einer bereits abgegangenen Lawine? Achte auf entsprechende Hinweise.
T Terrain traps: Gefahren im Gelände z.B. in Form von Felsspalten, Klippen oder Wald.
R Rating: Wenn die aktuelle Lawinenstufe erheblich oder gar groß ist, bedeutet das automatisch eine rote Flagge.
U Unstable snow: Achte auf zusammenbrechende, knackende oder dumpfe Geräusche.
TH Thaw instability: Warme Perioden lassen die Schneeoberfläche gefährlich anschmelzen.

F Familiarity. Je besser wir eine Gegend kennen, desto größer die Gefahr, dass wir sie unterschätzen, gerade mit zunehmender Erfahrung.
A Acceptance – Willst du gerade jemanden nur beeindrucken oder versuchst du von der Gruppe akzeptiert werden?
C Commitment. Wie sehr willst du heute dein Tagesziel erreichen? Vergiss nicht, dass die Berge auch morgen noch da sind und du jederzeit zurückkommen kannst. Vielleicht bei etwas besseren Bedingungen. Du kannst das auf jeden Fall nicht, wenn du tot bist. Es ist immer ratsam einen Plan B, C, D, E bis hin zu X zu haben.
E Expert halo. Gibt es jemanden in deiner Gruppe, der mehr Erfahrung mitbringt und du hast dennoch Zweifel an dessen Entscheidungen? Trau dich, deine Fragen laut zu äußern, auch wenn du dir unsicher oder neu dabei bist.
T Tracks or Scarcity – Du willst als erstes die Spuren in den Schnee ziehen? Hast du die Sorge, es ist nicht genug für alle da? Hektisches Verhalten nur um der erste zu sein, birgt ein hohes Risiko für schlechte Entscheidungen.
S Social Facilitation or Social Proof – Es wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass erfahrene Tourengeher, die auf andere Gleichgesinnte treffen, bereit sind, ein höheres Risiko einzugehen. Wenn jemand irgendwo hinunterfährt, glauben wir leider oft, dass es dadurch sicher ist. Die Spuren anderer bedeuten aber definitiv nicht, dass es dort sicher ist.

Denk also daran: Schneeverhältnisse einzuschätzen ist ein lebenslanger Lernprozess und wir alle sind in den Bergen nur Anfänger! Eine gute Portion Demut vor den Bergen wird sich bezahlt machen. Einer meiner Förderer sagte einmal zu mir: “Was die meisten Skibergsteiger umbringt, ist ihr Stolz um Hilfe zu fragen.“ Es ist nichts dabei umzudrehen und zurückzukehren, wenn die Bedingungen richtig sind.

Backcountry skiing packing list

Artikel erstellt von Caroline Gleich