#SkiLocal - High Tatras

Das war ein ganz besonderer Winter für mich. Die Liftanlagen blieben den ganzen Winter wegen der Pandemie geschlossen. Also ergab sich für uns die Gelegenheit, die Berge vor der eigenen Haustür in der Slowakei zu entdecken. Wir waren viel auf Skitouren unterwegs und konnten ein paar der schönsten Abfahrten meines bisherigen Lebens genießen. Obwohl die meisten unserer Trips mit meinem Gejammer über den anstrengenden Aufstieg begannen, hielt es Tomas dennoch sehr gut mit meinen Launen aus. Er machte mir sogar am Ende der Saison einen Antrag.

Unser Skiabenteuer begann, wie die meisten in dieser Saison, mit meinem Gequengel. Das warme Wetter und der Kaffeeentzug waren ein echtes Problem. Aber als wir aus dem Wald kamen und ich die ersten Berge sah, wurde ich völlig ruhig und meine Sorgen verflogen. Das Gute an dieser Saison war, dass die Berge so gut wie leer waren und die Skigebiete in der Slowakei geschlossen blieben. Ich bin sehr glücklich, dass ich direkt neben der Hohen Tatra leben darf und dieses Mal waren wir fast alleine in den Bergen. Tomas, der Kopf hinter unseren Touren, führte uns auf dem Weg zu unserem Ziel, einem 2230m hohen Gipfel, an. Die angepeilte Abfahrtsroute sollte eine Rinne etwa 100m unterhalb der Bergspitze sein.

Für mich ist das schönste am Tourengehen der Raum, der sich einem dabei eröffnet. Manche nutzen Touren als eine Form des sportlichen Trainings, aber uns geht es eher um die Zeit und den Raum. Du kannst dich dabei über Gott und die Welt unterhalten, Spaß haben und einfach die Aussicht genießen.

Wir passierten den Südhang des Berges so schnell wie möglich. Er machte einen ziemlich instabilen Eindruck und es gab einige kleinere Lawinenabgänge. Um das Risiko möglichst gering zu halten, entschieden wir uns, die Ski an den Rucksack zu schnallen und entlang des Grats nach oben zu klettern.

Beim Aufstieg mussten wir in felsigem Gelände kraxeln. In diesem Moment fühlten wir uns wie echte Skibergsteiger. Wir waren froh, dass uns niemand sah, ausgenommen von ein paar Gämsen, die uns auf dem Weg nach oben begegneten. Die hatten mit Sicherheit auch ihren Spaß. Am Beginn der Rinne angekommen, zogen wir die Felle ab und genossen die beste Abfahrt des Jahres. Die Rinne ist nach Nordosten ausgerichtet; sie liegt größtenteils im Schatten und so hatten wir das Glück noch Powder zu erwischen. Die Gämsen blickten uns hinter, man hörte nur noch laute Freudenschreie und schließlich fanden wir uns in der nächstgelegenen Hütte bei einem Drink wieder. In der Slowakei trinkt man Kofala, ein typisches Getränk, das man unbedingt probieren muss, wenn man die Slowakei besucht. Schließlich wurde es Zeit nach Hause aufzubrechen, wo unser kleiner Hund Maui schon auf uns wartete. Obwohl sie uns oft begleitet, war diese Tour auf jeden Fall zu lang für sie.


Martina Radekova

IFMGA Gorski vodnik

“Hi! Mein Name ist Martina und ich komme aus der Region der Hohen Tatra in der Slowakei. Natürlich ist Skifahren meine größte Leidenschaft. Ich liebe es, neue und unberührte Orte in den Bergen zu entdecken. Am liebsten tue ich das auf Tourenski. Das Beste daran ist, dass man bei der Abfahrt oft mit traumhaftem Powder belohnt wird. In meiner IG Bio steht, dass ich immer dahin gehe, wo die Berge sind und ich glaube das beschreibt mich am besten.“