Von der Idee zum Ski

Die Idee vom faltbaren Ski ist nicht neu. Tatsächlich gab es bereits Versuche, die in die Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges zurück reichten, allerdings eignete sich keinen dieser Ski zum Skifahren. Ebenfalls gab es später erneut Entwicklungsversuche, aber niemandem gelang der Schritt über die Phase der Prototypenentwicklung hinaus und niemand konnte sie produzieren. Wir sprachen mit der Global Brand Direktorin Melanja Korošec; dem Direktor der Entwicklungsabteilung von Elan, Vinko Avguštin und dem Strategic Designer, Luka Bassanese über die anspruchsvollen Entwicklungsprozesse des Voyagers, des ersten faltbaren All-Mountain Ski.

Wie lange denkt Elan schon über einen faltbaren Ski nach?

Vinko Avguštin: Elan hatte in der Vergangenheit schon mehrmals an der Idee eines faltbaren Skis gearbeitet. Bevor wir jedoch die ersten Aktivitäten begannen, wurde das Konzept für längere Zeit auf Eis gelegt. Der erste konkrete Schritt erfolgte 2011, als wir mit der slowenischen Armee zusammenarbeiteten und wir ernsthaft über die Idee nachdachten. Nachdem wir im Jahr 2017 den faltbaren Tourenski Ibex Tactix vorgestellt hatten, dachten wir sofort über die nächste Herausforderung nach – den ersten faltbaren Carving-Ski.

Der Voyager Ski ist ein handwerkliches und technologisches Wunderwerk. Inwiefern beeinflusste die bahnbrechende Technologie das Design und die Form? 

Melanja Korošec: Ski funktionieren, wenn sie aus einem Stück sind und wir fingen damit an, unsere Ski in zwei Hälften zu teilen. Dies verschob die Wahrnehmung des Produkts grundlegend vom Ausrüstungsgegenstand zu einem Produkt, welches dem Skifahrer nicht nur die Möglichkeit zum Skifahren bietet, sondern auch ein umfassendes Skierlebnis ermöglicht, wie es die Welt zuvor noch nie gesehen hat.

Der Elan Voyager ist der erste faltbare All-Mountain Ski der Welt und daher haben wir darauf geachtet, diesen Durchbruch auch im Produktdesign angemessen zum Ausdruck zu bringen. Der Prozess begann mit einer Analyse der Benutzer und die Festlegung der Entwicklungsziele.

Die wichtigsten Leitlinien für das Design waren Funktionalität, Intuition und nachhaltige Qualität. Die Ski besitzen eine einzigartige Faltfunktion und die Form unterstützt und betont dieses Element zusätzlich. Alle Einzelteile der Ski wurden mit dem Fokus auf eine sichere und langlebige Nutzung entwickelt und konstruiert. Ebenfalls haben wir uns durch Designelemente aus der Luftfahrt-Ikonographie, als Höhepunkt der Mobilität, inspirieren lassen. Ein wichtiger Bestandteil der Produktidentität ist nicht zuletzt auch der Name, der das Nutzererlebnis anspricht und dem Ski einen weltweiten Anreiz verleiht.

Was hast du aus der erfolgreichen Entwicklung des Ibex Tactix Faltski gelernt?

Vinko Avguštin: Es war sicherlich ein starker Impuls für die Entwicklung. Die Idee stammt vom Benutzer – wir haben verschiedene Gruppen aus Skifahrern beobachtet, darunter auch Bergpioniere, welche die langen Ski auf ihren Rucksäcken trugen. Das war eine erhebliche Behinderung für die Fortbewegung in der winterlichen Umgebung, insbesondere für Soldaten. Daraus entstand die Idee für einen funktionalen Faltski, welcher den höchsten Anforderungen wie auch der extremen Belastung standhielt.

Während der Entwicklungsphase haben wir mehrere Variationen des Faltsystems ausprobiert und getestet, die wir entweder verbessert oder verworfen haben. Schließlich haben wir den ersten funktionalen faltbaren Tourenski entwickelt. Da die Ski für den militärischen Einsatz gedacht waren, konzentrierten wir uns auf Langlebigkeit. Der Mechanismus funktioniert einwandfrei und stärkte unser Vertrauen. Von der Performance her war der Ski ausreichend für Skitouren, nicht aber für den fortgeschrittenen Freizeitski, doch das war genug für das was wir erreichen wollten. Für das Voyager-Projekt wurde der Mechanismus erheblich verbessert.

Was ist das Schlüsselelement des neuen Voyager Carving-Faltskis?

Vinko Avguštin: Die Schlüsselfigur des neuen Voyager Faltskis ist das Bindungsplattensystem, welches dem Ski die Steifigkeit eines klassischen, nicht-faltbaren Skis verleiht. Die Entwicklung der Platte im Zusammenspiel mit der Connect Technologie erforderte sicherlich die höchste Kreativität. Wir haben verschiedene Lösungen entwickelt und letztendlich uns für die beste und effektivste entschieden.

Welche Rolle spielt das Design bei einem so anspruchsvollen Projekt wie dem Voyager?

Luka Bassanese: Designer stehen vor den größten Herausforderungen, wenn es um die anspruchsvollsten Produkte geht, wie man technisch komplexe Innovationen in benutzerfreundliche Produkte umsetzt. Das Design betont die Benutzerfreundlichkeit, indem es sich hauptsächlich auf das Schlüsselelement des Skis konzentriert – die Faltfunktion, die das Produkt verständlich und zugänglich macht.

Ebenfalls hast du eine spezielle Tasche, zusammenklappbare Stöcke und andere Accessoires entworfen, um ein stimmiges Komplettpaket zu bilden. Es ist beim ersten Anblick klar, dass alle Produkte mit viel Leidenschaft und Überlegung entstanden. Wie schwierig ist es, gemeinsame Elemente für verschiedene Produkte zu finden?

Melanja Korošec: Der Voyager ist nicht nur ein einzelnes Produkt, sondern ein Gesamtkonzept, um den Skifahrern in städtischen Gebieten das Benutzererlebnis erheblich zu verbessern. Dieser Gedanke lenkte unsere Aktivitäten nicht nur auf den Ski, der natürlich das grundlegende Element des Konzepts ist, sondern wir bezogen auch das gesamte Zubehör und die Ausrüstung rund um den Ski mit ein.

Der erste logische Schritt war ein zusammenklappbarer Skistock, der das Benutzererlebnis sehr gut ergänzt. Ein weiteres wichtiges Mobilitätselement des Systems sind die beiden Taschen – die kleinere zum Aufbewahren und Tragen der Ski und die größere mit genügend Platz für alles, was man für ein Skiwochenende benötigt. Dass die Abmessungen der Taschen den IATA-Richtlinien für aufzugebendes Gepäck entsprechen, war natürlich eine konstruktionsbedingte Vorgabe, welche die Ingenieure miteinfließen ließen. Zudem haben wir auch an Details wie eine Bürste und ein Tuch zum Reinigen der Ski nach dem Gebrauch gedacht.

Bei den Arbeiten am Voyager Projekt haben wir uns keine Kompromisse erlaubt, nur das Beste war uns gut genug. Schließlich prägt jedes einzelne Detail das Erlebnis des Benutzers.

Die zahlreichen Auszeichnungen des Voyager Skis sind mehr als nur Beweis dafür, dass dies eine wirklich bahnbrechende Innovation ist. Unter den Auszeichnungen ist ebenso der begehrte „Red Dot: Best of the Best“ Award. Was bedeutet eine solche Anerkennung für dich?

Melanja Korošec: Unsere Produkte sind hauptsächlich für die Benutzung und nicht nur zum Betrachten. Die Benutzerfreundlichkeit ist immer unsere erste Priorität, wie es sich auch mit dem Versprechen an unsere Nutzer verhält – jeder Tag wird der beste Tag im Schnee sein. Die „Always Good Times“- Erfahrung möchten wir jedem Skifahrer vermitteln.

Aber wir sind natürlich sehr froh, dass unsere Arbeit auch in professionellen Kreisen anerkannt ist und obwohl wir in den letzten zehn Jahren viele Auszeichnungen für unsere Produkte gewonnen haben, war der „Red Dot: Best of the Best“ für den Voyager eine ganz besondere Auszeichnung. Es ist unser erster dieser Art und den ersten vergisst man nie, aber vor allem, weil das ganze Unternehmen am Voyager Projekt beteiligt war. Der Erhalt dieser Auszeichnung ist eine Anerkennung und Bestätigung für unsere Arbeit, die jeden von uns erfreut und motiviert.