Ein Echter kanadier

True Canadian: Brady LemanTrue Canadian: Brady Leman

Brady Leman ist der lebende Beweis dafür, dass man mit Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen im Leben etwas erreichen kann. Seine Karriere hatte viele Höhen und Tiefen gesehen, doch im letzten Jahr bestieg er den Berg des Olymps. Sein Medaillenschrank ist nun mit einer Goldmedaille der Olympischen Spielen in Pyeongchang geschmückt. Brady ist nicht nur ein Skifahrer, er ist ein echter Kanadier, der alle Gaben von Mutter Natur zu genießen weiß. Er ist ebenfalls begeisterter Mountainbiker und Angler.

Brady Leman – Olympiasieger, wie klingt das?

Einfach unglaublich! Ich bekomme immer noch ein Lächeln, wenn ich es höre. Ich hatte viel Erfolg während der Weltmeisterschaft vor dem Gewinn der Olympischen Spielen im Jahr 2018, es verwundert mich immer noch ein bisschen, dass es tatsächlich passiert ist.

Deine olympische geschichte hatte einige höhen und tiefen. Wegen einer verletzung wurdest du gezwungen, die Olympischen spiele in deiner heimat in vancouver zu beenden. Vier jahre später in sotchi belegtest du hinter den medaillenrängen den vierten platz und dann hat sich in pyeongchang alles ausgezahlt?

Ja, es war eine ziemliche Reise bei meinen Teilnahmen an den Olympischen Spielen. Jedes Mal bin ich ein bisschen näher dran gewesen und bekam immer mehr das Gefühl, wie es ist, auf der olympischen Bühne anzutreten. Ich habe den Eindruck, dass die Rückschläge in Vancouver und Sotchi notwendig waren, um mich in die richtige Position für den Erfolg in Pyeongchang zu bringen. Ich wusste, dass ich mich mehr auf die Erfahrung und den Ablauf konzentrieren sollte, anstatt darauf eine Medaille nach Hause zu bringen. Es war schwer, diese Lektion zu lernen, aber am Ende hat es sich ausgezahlt.

Du hast auch die legendären X-games gewonnen. Lassen sich diese beiden errungenschaften irgendwie vergleichen?

Mit den X-Games begann der Skicross Sport. Bevor es einen Weltcup, Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele im Skicross gab, gab es die X-Games. Als ich das erste Mal ein Skicross- Rennen im TV sah, war es total verrückt und verdammt cool! Es war das erste große Event in diesem Sport und ich träumte davon, es zu gewinnen. Mein X-Games-Titel hat für mich also immer noch einen sehr hohen Stellenwert.

Du warst gerade einmal zwei jahre alt, als alberto tomba zwei Olympische goldmedaillen in Calgary, Alberta – deinem geburtsort – gewann. Bist du bereits in diesen jungen jahren ski gefahren?

Meine Eltern erzählten mir, dass ich zum Ende dieses Winters auf Ski stand. Sie packten mich in einen Rucksack für Kinder und gingen mit mir zu den Olympischen Spielen in Calgary im Jahr 1988.

Der berühmte kanadische schriftsteller Leonard Cohen schrieb folgende worte: „Ich wurde so geboren und ich hatte keine andere wahl, als mit goldener stimme geboren zu werden.“ Kannst du für dich bezüglich des skifahrens etwas ähnliches sagen?

Selbstverständlich, meine Eltern arbeiteten in der Skibranche, meine Mutter in zwei kleinen Skigebieten in Calgary und mein Vater als Renntrainer. Ich wuchs mehr oder weniger in den Bergen auf und war darüber sehr glücklich. Sie haben mich nie zum Skifahren gezwungen, es war einfach Teil meiner Kindheit und ich liebte es. Das ist alles, woran ich mich als Kind erinnere.

Erinnerst du dich an den entscheidenden moment in deinem leben, als du wusstest, dass du ein skifahrer werden wolltest?

Es gab keinen ausschlaggebenden Moment, der mich dazu brachte Profi-Skifahrer zu werden. Es war vielmehr eine Art Traum, der sich über viele Jahre entwickelte. Ich liebte einfach nur das Skifahren, die Rennen und mit meinen Freunden meine Grenzen zu überschreiten. Als ich noch jünger war, interessierte ich mich dafür, wer die höchsten Sprünge sprang, oder wer zuerst einen Back-Flip stand. Später, als ich älter wurde, verlagerte sich meine Wettbewerbsstärke zu Rennen und letztendlich zum Skicross. Während ich ein immer höheres Niveau erlangte, wurde ich auch mit einem intensiveren Training konfrontiert, es entstand eine andere Denkweise und eine professionellere Herangehensweise zum Skifahren. Währenddessen begann ich diese Seite des Sports wirklich zu lieben, was sich hinter den Kulissen abspielt, das ganze Jahr über täglich daran zu arbeiten, besser und schneller zu werden und das brachte mich dazu, daran festzuhalten.

Hattest du als kind und jugendlicher vorbilder?

Meine Vorbilder als Kind waren Thomas Grandi und John Kucera. Sie sind kanadische Skirennfahrer, die aus meiner Heimatprovinz Alberta kommen. Während ich aufwuchs, sah ich beiden beim Training und den Rennen zu und verfolgte deren Karriere zum Weltklasse Alpin-Skifahrer. Thomas gewann zwei Riesenslalom Weltcuprennen und John hatte eine Menge Erfolg bei den Speed Disziplinen, gekrönt mit dem Sieg einer Abfahrts-Weltmeisterschaft.

Wenn ich es richtig verstanden habe, kamst du über das alpin-skifahren zum skicross. Was waren deine alpinen disziplinen und wie kam es zur entscheidung zum skicross zu wechseln?

Ich war eigentlich ein Allrounder bei den Alpinen, aber ich sah mich immer mehr als ein Speed- und Riesenslalom-Typ. Während meiner Wettkämpfe liebte ich es zu springen und ich verbrachte meine Freizeit im Fun-Park oder beim Free-Skiing abseits der Pisten. Im Park war ich tatsächlich ziemlich gut und nahm an lokalen Big-Air Wettkämpfen teil, Slope-Style und Halfpipe, und ich schlug mich relativ gut. Als dann der Skicross zu einer olympischen Disziplin wurde, fühlte es sich für mich perfekt an.

Wie würdest du mit nur fünf worten den skicross beschreiben?

Aufregend, schnell, spannend, Adrenalin, Spaß.

Wie oft gehst du für dich skifahren, mit deinen freunden oder freundin?

So oft wie ich kann, aber in diesen Tagen passiert das nicht so oft, wie ich es gerne wollte. Im Frühling gehe ich für gewöhnlich ein paar Tage mit meiner Freundin Catherine oder mit meinen Freunden zum Skifahren. Ich liebe nach wie vor Free-Skiing oder Skitouren im abgelegenen Bergland. Es ist so schön, den Sport den ich liebe, ohne den Rennstress zu betreiben.

Irgendwelche bevorzugte gebiete?

Mein bevorzugtes Skigebiet auf der ganzen Welt ist zu Hause am Lake Louise.

Verletzungen spielten in deiner karriere eine ziemlich wichtige rolle. Wie kommst du damit zurecht und wie motivierst du dich, wenn du von einer verletzung zurückkommst?

Verletzungen brachten mich immer zu einer echten Pause und einer nüchternen Herangehensweise. Ob ich mein Bein oder meine Schulter gebrochen hatte, oder was auch sonst, wie kann ich es besser machen? Werde ich immer noch schnell sein, nachdem alles verheilt ist? Zu den Fragen konnte ich immer Antworten liefern, oft mit der Hilfe derjenigen um mich herum, aber es war deutlich leichter zurückzukommen, wenn man wusste, was man tun musste und dass man danach wieder schnell sein kann.

In Kanada spürt man im grunde genommen bei allem eine starke verbundenheit zur natur. Wie ist deine einstellung zur natur und outdoor?

Ich versuche mein Bestes und respektiere die Umwelt und Natur.Manchmal aber ist es nicht einfach, da ich ein ziemlich verrücktes Leben habe und in der ganzen Welt herumreise, um Rennen zu fahren. Ich betreibe exzessiv Recycling und Kompost und versuche zu Hause so viel wie möglich mit dem Fahrrad zu fahren. Es ist nicht viel, aber ich glaube, wenn jeder nur wenige seiner Gewohnheiten ändert, könnte es auf unserem Planeten eine große Auswirkung haben.

Deine outdoor-vorlieben sind ebenfalls in deinem instagram profil sehr offensichtlich. Gibt es parallelen zwischen skifahren, mountainbiken und fliegenfischen?

Immer wenn man beim Radfahren nach vorne schaut und auf die Geschwindigkeit achtgibt, ist es dem Skifahren sehr ähnlich, ebenfalls bei einigen überhöhten Kurven und bei Sprüngen – und verhilft ebenso zur Euphorie während der Off-Saison. Was Fischen anbelangt sehe ich keinen Zusammenhang zum Skifahren.

Besonders die ruhe beim fliegenfischen scheint ein ziemlicher kontrast zum skifahren oder biken zu sein?

Das Fischen ist für mich eine Leidenschaft, die ich von meinem Dad übernahm. Wir machen das immer noch gemeinsam und ich liebe einfach nur die Stille und Gelassenheit, wenn ich im Wasser bin.

Eine wahre kanadische leidenschaft ist das mountainbiking. Kannst du uns mehr davon erzählen, was für rides du bevorzugst und wo deine beliebten rides sind?

Ich liebe hauptsächlich den Enduro-Style. Fast alle meine Strecken zeichnen sich durch ausgiebiges Pedalieren aus, aber ich kann es kaum erwarten, meinen Spaß und die Euphorie bei den Abfahrten auszuleben. Meine beliebten Rides liegen alle im westlichen Kanada, in der Nähe von meiner Heimatstadt Calgary, der Moose Mountain ist immer ein Wahnsinnsspaß. Die Trails sind dort sehr flüssig und spaßig, fast wie im Skicross! Etwas westlicher von Squamish und nördlich von Vancouver gibt es erstaunlich schöne Trails und die Rides an der Westküste sind wohl die technisch herausforderndsten auf der ganzen Welt.

Viele skifahrer vergleichen das gefühl beim carven auf ski mit dem mountainbiken. Wie siehst du das?

Es gibt definitiv einige Gemeinsamkeiten, den Fliehkräften in den Kurven bei den Abfahrten entgegen zu wirken, das Gefühl beim Fahren von Kurven mit dem Bike ist dem Kurvenfahren mit Ski sehr ähnlich. Aber ich sehe mich nicht als ein sehr guter Biker und könnte daher mit meiner Einschätzung etwas daneben liegen.

Wie stehst du zum sommer? Gefällt er dir oder zählst du die tage bis zum winteranfang?

Am Sommeranfang bin ich für gewöhnlich bereit für eine Ski Pause. Ich kann es wirklich kaum erwarten, Zeit auf meinem Bike, draußen im Wasser, oder auf dem Golfplatz zu verbringen. Aber sobald der Herbst kommt und die Temperaturen fallen, sehne ich ich nach dem Startgate.

Das Elan team kommt fast einem kanadischen nationalteam gleich. Wie gefällt dir die zusammenarbeit mit Blaž und dem team, die dafür sorgen, dass deine ski immer gut präpariert und schnell sind?

Das Verhältnis mit Elan und dem kanadischen Team war über die letzten Jahre immer herausragend. Zuerst war Elan eine kleinere Marke und hatte wenig Präsenz im Skicross. Einige unseres Teams erhielten von Elan eine großartige Unterstützung und seit Beginn an war das Verhältnis und die Zusammenarbeit mit Blaž und unseren Servicetechnikern, die immer dafür sorgen, dass wir alles hatten und die Ski schnell sind, hervorragend. Wir machten gute Fortschritte und die Zusammenarbeit wuchs schnell. Alles in allem waren die Ski immer schnell und ich gab ein paar Anregungen zu neuen Designs und das sehe ich als coole Chance für mich.

Skifahren auf höchstem niveau ist eine individualsportart. Die kanadier vermitteln jedoch immer den eindruck, dass sie die grössten kameraden und freunde sind. Wie wichtig ist das?

Die Arbeit als Team in diesem Sport ist sehr wichtig. Trotzdem, dass man als Einzelperson konkurriert, gewinnt oder verliert, sind die Teammitglieder diejenigen, mit denen man während des Jahres zum größten Teil zusammen reist und trainiert. Wenn man mit seinen Teammates nicht gut auskommt, zeigt sich das beim Skifahren am Berg. In Kanada sind wir froh darüber, dass wir eines der besten Teams haben. Wir pushen uns gegenseitig und wenn man im Team schnell ist, weiß man, dass man es mit dem Rest der Welt aufnehmen kann.

Stimmt es, dass der gewinn von Olympischen medaillen mit zwei weiteren Kanadischen Elan teammitgliedern eine ganz besondere art von „Always Good Times“ ist?

Ganz sicher! Olympisches Gold zu gewinnen und dann zwei Tage später mit Kelsey und Brit auf dem ersten und zweiten Platz war das Beste für „Always Good Times“!

„Meine drei Olympischen Teilnahmen waren sehr unterschiedlich und jedes Mal rückte ich dem großartigen Erfolg ein bisschen näher.“