Medaillen, titel und preise

Ingemar Stenmark: Medals, titles and awardsIngemar Stenmark: Medals, titles and awards

Ich war nie jemand, der sich an seine vergangenen Erfolge und Gedanken zurückerinnert. Tatsächlich denke ich darüber überhaupt nicht nach und einige habe ich bereits vergessen. Nach meiner Überzeugung hat das Leben in der Vergangenheit keine Bedeutung. Das Ausruhen auf alten Lorbeeren ist nichts als nur Ausruhen. Heute schreiben wir das Jahr 2018 und all das war in den Siebzigern und Achtzigern des letzten Jahrhunderts geschehen. Es ist alles so lang her, dass sowohl das Jahrhundert und das Jahrtausend wechselte.

Doch hier und da tauchen immer ein paar Dinge auf, die mich dann doch an meine Skikarriere erinnern. Alle vier Jahre, wenn wieder Olympia ist, erinnert sich für gewöhnlich irgendein Reporter an mich und meine Errungenschaften. Die Fragen der Reporter führen zu einer Kettenreaktion mit Gedanken und Erinnerungen und wenn diese an der Oberfläche auftauchen, dann frage ich mich oftmals selbst, wie tief ich diese in meinem Unterbewusstsein vergraben hatte und wie selten sie ans Licht kommen.

Es fällt mir tatsächlich schwer, über meine Errungenschaften zu sprechen und ich möchte nicht, dass es so aussieht, als ob ich mich damit brüskieren wollte. Ich könnte sagen, dass ich einer der glücklichen Athleten bin, dessen Karriere ohne größeren Trubel zu Ende ging. Ich hatte nie Probleme mit Verletzungen und ich vermute, meine Eltern und meine Gene gaben mir eine gute Veranlagung für den Sport. Wahrscheinlich war aber mein größtes Glück, dass ich das Skifahren liebe und ich somit das Training und alles andere nie als harte Arbeit empfand. Das alles trug wahrscheinlich dazu bei, dass ich innerhalb von zwanzig Jahren so ziemlich alle großen Titel gewann.

Wenn ich gefragt werde, wie ich meine Siege und Medaillen nach einer Reihenfolge einordnen würde, bin ich in einem großen Dilemma. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht und es ist einfach unmöglich. Jedes Rennen, jeder Sieg, jede Medaille und jeder Pokal hat seine eigene Geschichte. Im Allgemeinen sagt man, das eine olympische Goldmedaille am wertvollsten ist und gefühlsmäßig ist das wohl wahr. Immerhin bekommt ein Athlet nur alle vier Jahre die Chance, eine olympische Medaille zu gewinnen. Von der anderen Seite her betrachtet jedoch ist eine Kristallkugel, ob klein oder groß, nichts was man per Zufall gewinnen kann. Ein Gesamtweltcupsieg ist das Ergebnis von konstanten Resultaten über die komplette Saison hinweg. Während meiner Karriere wurden die Weltmeisterschaften nur alle vier Jahre ausgetragen, insofern ist aus sportlicher Sichtweise ein damaliger Weltmeistertitel vergleichbar mit dem olympischen Gold. Die heutigen Weltmeisterschaften finden alle zwei Jahre statt und somit stehen die Chancen auf einen Titel ungleich höher. Oft werde ich gefragt, welcher Titel oder Medaille für mich am wichtigsten ist. Die Entscheidung fällt mir genauso schwer. Schlussendlich würde ich den Sieg im Riesenslalom bei den Olympischen Spielen in Lake Placid im Jahr 1980 auswählen. Bis zu den Spielen gewann ich 12 Weltcupsiege im Riesenslalom in Folge, also erwartete jeder, dass ich gewinne und die Erwartungen erzeugten einen sehr hohen Druck.

Während meiner Karriere war die Teilnahme an den Olympischen Spielen nur Athleten mit einem Amateurstatus vorenthalten. Im Jahr 1972 wurde Karl Schranz aufgrund seiner angeblich professionellen Stellung von den Spielen in Sapporo ausgeschlossen und das war nicht der einzige Fall. Nach meinen zwei Goldmedaillen in Lake Placid war ich glücklich und verspürte nicht den Drang, weitere zu gewinnen. Also entschied ich mich bewusst für die sogenannte B-Lizenz, eine Art professioneller Status und schloss mich quasi selbst von den Spielen in Sarajevo aus. Seitdem konzentrierte ich mich hauptsächlich auf Weltcupsiege.

Es ist wahr, dass sportliche Erfolge einige Türen öffnen und in dieser Hinsicht haben die olympischen Medaillen einen besonderen Stellenwert. Gleichwohl fühlt es sich heute so an, als ob das alles in einem anderen Lebensabschnitt geschah, aber meine Erfolge beim Skifahren verschaffen mir immer noch einen gewissen Wiedererkennungswert. Schließlich geht mein Dank für meine skifahrerischen Erfolge wohl an die ermöglichte Teilnahme an der schwedischen Version von „Dancing With The Stars“ einige Jahre zuvor…